Studierende fordern auf Grünen-Parteitag: Weltoffenheit statt Abschottung

Berlin – Ulm, den 11.11. 2016

Mit einem kämpferischen Brief wenden sich auf dem heutigen Parteitag in Münster gleich drei studentische Gruppen an die Grünen, um die geplante Einführung für Studiengebühren in Baden-Württemberg zu verhindern. Das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS), der Bundesverband ausländischer Studierender e.V. (BAS) sowie der freie zusammenschluss von studentInnenschaften e.V. (fzs) zeigen sich verständnislos über die Abschottungs-Pläne von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer und hoffen diese gemeinsam mit der Parteibasis noch abwenden zu können.

Hintergrund ist die Entscheidung der Grün-Schwarzen Regierungskoalition von Ende Oktober, Studiengebühren für Studierende aus nicht-EU/EWR Ländern in Höhe von bis zu 1500 Euro pro Semester und Zweitstudiengebühren für alle Studierende in Höhe von 650 Euro einführen.

Der auf dem Parteitag verteilte Brief kritisiert diese Kehrtwende, nur wenige Jahre nach der Abschaffung von Studiengebühren als rein haushaltspolitisch motiviert, sozial selektiv und jegliche Internationalisierungs-Absichten torpedierend. Dabei wird mit einigen Vorurteilen aufgeräumt Z.B. dass ausländische Studierende alle reich seien, es wird auf das allgemeine Nord-Süd-Gefälle verwiesen und mit Zahlen das Argument der Haushalts-Konsolidierung widerlegt. Denn durch Konsumausgaben in Höhe von mehr als 1,5 Milliarden Euro, welche zu Steuereinnahmen in Höhe von 400 Millionen Euro führen, finanzieren ausländische Studierende die öffentlichen Haushalte vielmehr, statt sie zu belasten. Da nach dem Studium rund 30% in Deutschland bleiben, amortisiere schon dies die Ausbildungskosten. Gibt man sich dieser ohnehin menschenfeindlichen Verwertungslogik hin, heißt das kurz: Der deutsche Staat macht mit ausländischen Studierenden Gewinn, auch ohne dass diese Gebühren zahlen.

Andere Argumente gegen die Gebühren-Pläne sind eher pragmatisch: Selbst wenn internationale Studierende die Gebühren zahlen wollten, wird ihnen vom deutschen Recht gar nicht erlaubt, genügend zu arbeiten: In Deutschland dürfen nicht-EU/EWR-BürgerInnen lediglich 120 Tage im Jahr arbeiten. Maurice Mwizerwa vom BAS bezeichnet Bauers Pläne deshalb als „zynisch, überheblich und eurozentrisch“. Die studentischen Bündnisse fordern stattdessen ein sozial gerechtes, durch Steuern finanziertes Bildungssystem und schließt mit der entschlossenen Ankündigung: „Wir werden gegen Studiengebühren jeglicher Art vorgehen und ihre Einführung verhindern.“ Bleibt abzuwarten, ob die Grünen-Basis ähnlich sozial, weltoffen und kämpferisch eingestellt ist oder sich duckmäuserisch dem rassistischen Kurs von oben anschließt.

Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS)
Bundesverband ausländischer Studierender e.V. (BAS)
freier zusammenschluss von studentInnenschaften e.V. (fzs)

Zum Impulspapier von Migrant*innenorganisationen

Berlin, 11.11.2016

Wir wollen, dass Teilhabe von Migrant*innen selbstverständlich wird!

Die gesellschaftliche Teilhabe von Migrant*innen in Deutschland hat in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht, muss sich jedoch gerade heute noch weiter verbessern. Fünfzig Migrant*innenorganisationen machen der Bundeskanzlerin beim 9. Integrationsgipfel konkrete Vorschläge, wie das ab 2017 erreicht werden kann. Unter anderem wird eine Änderung des Grundgesetzes gefordert – und dass die interkulturelle Öffnung von Organisationen und Institutionen bundesweit Chefsache wird.

In Deutschland haben 21 Prozent der Menschen eine Einwanderungsgeschichte – mehr als je zuvor. Aber ihr Anteil unter den Bundestagsabgeordnet*innen beträgt beispielsweise nur 5 Prozent. Dieses Repräsentationsdefizit zieht sich durch viele Bereiche und Berufsgruppen und betrifft unter anderem Landes- und Kommunalparlamente, Parteien und Verbände, Behörden und öffentliche Einrichtungen sowie den Medien- und Kulturbetrieb. Auch beim Zugang zu Leistungen und Angeboten von Organisationen und Institutionen in Deutschland erleben viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte weiterhin Benachteiligungen.

Was in dieser Debatte bisher oft fehlt, sind positive Zukunftsbilder und Veränderungsziele. Über 50 Migrant*innenorganisationen aus ganz Deutschland haben daher vor dem 9. Integrationsgipfel am 14. November ein gemeinsames „Impulspapier der Migrant*innenorganisationen zur Teilhabe in der Einwanderungsgesellschaft. Wie interkulturelle Öffnung jetzt gelingen kann!“ erarbeitet.

Der Bundesverband ausländischer Studierender (BAS) hat sich aktiv bei der Erstellung des Impulspapiers mitgewirkt. Maimouna Ouattara, Sprecherin des BAS, betont: „Die Teilhabe von migrantischen Organisationen ist leider immer noch selten. Selbst Landesregierungen, die sich den Dialog auf die Fahnen geschrieben haben, beteiligen Migrant*innen nicht. Zuletzt sahen wir dies beispielsweise bei den Grünen in Baden-Württemberg, die diskriminierende Gesetze politisch beschließen, dann einen angeblichen Dialog führen, sich aber mit der Zielgruppe ihrer Diskriminierung nicht einmal unterhalten können, weil die Landespolitiker*innen nicht fähig oder willens sind, in angesetzten Gesprächen mit Studierenden in der Wissenschafts- und Forschungssprache Englisch zu kommunizieren. Wir müssen zu einem aktiveren Miteinander kommen, anstatt dass nur über Migrant*innen gesprochen wird.“

Auch das Multikulturelle Forum e.V. hat sich an der Erstellung beteiligt. Kenan Küçük, Leiter des Multikulturellen Forums, erklärt warum: „Es ist noch viel Aufbauarbeit zu leisten, wenn wir gleichberechtigte Teilhabe erreichen wollen. Wir reden nun mit der Bundesregierung darüber, wie interkulturelle Öffnung in Organisationen und Institutionen ankommen und gemeinsam positiv gestaltet werden kann.“ Damit wollen die Organisationen eine nachhaltige Veränderung erreichen. „Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte sollen gemeinsam Verantwortung für die Zukunft Deutschlands übernehmen.“, sagt Küçük.

In dem Impulspapier werden vier Veränderungsziele zur Interkulturellen Öffnung priorisiert:

· In Organisationen und Institutionen, wie Vereine, Verbände, Parteien und öffentliche Verwaltungen, sind Strategien zur interkulturellen Öffnung umgesetzt sowie Vielfalt und Teilhabe gelebte Grundüberzeugungen.

· Migrant*innenorganisationen werden in Prozesse der interkulturellen Öffnung eingebunden und dafür in ihrer Professionalisierung unterstützt. Es gibt ausreichend Strukturfördermittel und Anlaufstellen für Prozesse der Interkulturellen Öffnung in Organisationen und Institutionen.

· Der Anteil von Menschen mit Einwanderungsgeschichte, die Entscheidungsfunktionen wahrnehmen, hat sich in Organisationen und Institutionen deutlich erhöht.

· Organisationen und Institutionen erbringen ihre Leistungen in gleicher Qualität für alle Bürger*innen unabhängig von deren Herkunft. Menschen erfahren keine institutionelle Diskriminierung und begegnen keinen sprachlichen und kulturellen Barrieren.

Um diese Ziele wirksam zu erreichen, schlagen die Migrant*innenorganisationen insgesamt 29 Maßnahmen vor – unter anderem eine Änderung des Grundgesetzes, um gleichberechtigte Teilhabe in der Einwanderungsgesellschaft zu verankern. Das neue Staatsziel soll festschreiben, dass die Bundesrepublik ein „vielfältiges Einwanderungsland“ ist und gleichberechtigte Teilhabe, Chancengerechtigkeit und Integration fördert.

„Erst wenn Vielfalt und Teilhabe gelebte Grundüberzeugungen in unserer Gesellschaft sind, können gleiche Chancen für alle geschaffen sein. Das Staatsziel verankert in der Verfassung, dass Deutschland ein vielfältiges Einwanderungsland ist und verpflichtet die Staatsorgane das umzusetzen.“, sagt Dilmaghani, Vorsitzender von DeutschPlus.

Bei den weiteren Maßnahmen geht es unter anderem um die Verabschiedung eines echten Bundespartizipations- und Integrationsgesetzes, die Einführung eines Nationalen Rates zur Interkulturellen Öffnung, die Förderung interkultureller Öffnungsprozesse in Organisationen sowie von deren Angebote und Leistungen, die Führungskräfteentwicklung von Menschen mit Migrationshintergrund sowie die gesetzliche Verankerung und Erweiterung des Diskriminierungsschutzes. „Unser umfassender Maßnahmenkatalog basiert auf wissenschaftlicher Expertise, guten Beispielen aus der Praxis und internationalen Erfahrungen“. so Dr. Sylvie Nantcha, Vorsitzende von The African Network in Germany.

Auch ihre eigenen Beiträge zu diesen Maßnahmen haben die Migrant*innenorganisationen erarbeitet. Sie können z.B. als Dialogpartner und professionelle Vielfaltsberater*innen Organisationen aktiv unterstützen, selbst als Multiplikator*innen wirken und sich für die politische Bildung ihrer Zielgruppen einsetzen. Dafür brauchen sie jedoch – gerade in dieser Zeit – noch mehr Verlässlichkeit und Planbarkeit ihrer Aktivitäten. „Migrant*innenorganisationen sind Impulsgeber und Brückenbauer, damit interkulturelle Öffnung für beide Seiten gelingen kann. Dafür muss die strukturelle Förderung von Migrant*innenorganisationen erheblich ausgebaut werden“, betont Martin Gerlach, Geschäftsführer der Türkischen Gemeinde in Deutschland.

Den Integrationsgipfel und den Austausch mit Frau Bundeskanzlerin Merkel sehen die Organisationen als Auftakt. In den nächsten Monaten sollen mit der Bundesregierung, Parteien, Verbänden und weiteren Organisationen intensiv zu den Vorschlägen Gespräche geführt werden.

Das Impulspapier wurde von Migrant*innenorganisationen in einem breiten Beteiligungsprozess erstellt und ist ein Beitrag im Schwerpunktjahr „Partizipation“ der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özoğuz. Die PHINEO gAG begleitete den Prozess.

Das Impulspapier zum Download (pdf): http://bit.ly/Impulspapier_MigrantInnenorganisationen.

Pressekontakte:
· Bundesverband ausländischer Studierender: Maimouna Ouattara (sprecherin@bas-ev.de)
· Türkische Gemeinde Deutschland: Martin Gerlach (martin.gerlach@tgd.de /
030 23635100)
· DeutschPlus e.V.: Anna Graefe (anna.graefe@deutsch-plus.de / 0151 53750033)

Weitere Ansprechpartner:
· The African Network in Germany: Dr. Sylvie Nantcha (info@sylvie-nantcha.de)
· Multikulturelles Forum e.V.: Kenan Kücük (k.kuecuek@multikulti-forum.de)

Stellungnahme der Landesastenkonferenz Baden-Württemberg zu den geplanten Studiengebühren

Hier findet ihr die Positionierung der LAK BaWü zu den ausländerfeindlichen und den anderen Studiengebühren, die die Grün-Schwarzen einführen möchten:

positionierung-der-landesstudierendenvertretung-baden-wuerttemberg-zur-einfuehrung-von-studiengebuehren

Hier die Resolution der bundesweiten Konferenz der Informatikfachschaften:

resolution-der-konferenz-der-informatikfachschaften

Pressemitteilung: Kabinettsbeschluss in Baden-Württemberg zu Studiengebühren für ausländische Studierende

Am Dienstag, den 25. Oktober hat das grün-schwarze Kabinett in Baden-Württemberg die Einführung von Studiengebühren für ausländische Studierende in Höhe von bis zu 1.500 Euro pro Semester beschlossen. „Das heißt: Es können nur Menschen einen Abschluss machen, wenn sie über ausreichend Geld verfügen. Baden-Württemberg wird nicht mehr die bestqualifizierten Menschen anziehen, sondern vor allem Reiche, die sich Bildung kaufen können“, so Maimouna Ouattara, Sprecherin des Bundesverbands ausländischer Studierender (BAS).“Dies steht im Widerspruch zu den Zielen der Hochschulen, besonders qualifizierte Personen für die Wissenschaft zu gewinnen. Es steht auch im Widerspruch zum Ziel, durch mehr personellen Austausch mehr Sensibilität für globale Probleme zu entwicklen, die Internationalität zu fördern und den Kontakt zwischen Deutschen und der Welt zu intensivieren. Und es steht im Widerspruch zu einer Politik, mehr und besser ausgebildete Fachkräfte für den Arbeitsmarkt anzulocken.Diese Entscheidung stellt einen wissenschaftpolitischen und ökonomischen Unsinn dar, mit dem kurzfristig Haushaltslücken zulasten der Zukunft sowie der sozialen Gerechtigkeit geschlossen und Stammtischparolenwählende bedient werden sollen.“

Das Versprechen aus dem Wahlprogramm, mit dem Durchregieren von oben nach unten zu brechen – und künftig die Menschen in die Politik einzubeziehen wurde hiermit gebrochen. Ein Dialog mit den Betroffenen und ihren Vertretungsorganen wurde in keinster Weise gesucht. Darunter befinden sich der Bundesverband ausländischer Studierender (BAS) und das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS), die sich vehement gegen dieses Vorgehen der Ministerin und auch allgemein gegen jede Form von Studiengebühren aussprechen. Denn die Studiengebühren schaden der Internationalität der Hochschulen in Baden-Württemberg, darüber hinaus diskriminieren sie ausländische Studierende und ruinieren alle bisherigen Erfolge bei der Gewinnung und Integration ausländischer Studierender im Handumdrehen.

Ministerin Bauer möchte, dass Studierende kommen sollen, weil sie Geld haben, nicht weil sie klug sind. Dabei ist das ohnehin schon der Fall: Ausländische Studierende zahlen bereits jetzt eine Vielzahl an Gebühren, die für einheimische Studierende nicht anfallen. Nach einer vom BMBF und DAAD vorgestellten Studie ergeben sich positive volkswirtschaftliche Effekte während und noch deutlich höher nach dem Studium. Diese Effekte sind deutlich höher anzusetzen, als die während des Studiums ausgelösten staatlichen Aufwendungen.

Laut dieser Studie tätigten im Jahr 2011 die rund 161.000 bundesweit aus dem Ausland kommenden Studierenden Konsumausgaben in Höhe von mehr als 1,5 Mrd. Euro, was zu Steuereinnahmen in Höhe von 400 Mill. Euro in den öffentlichen Haushalten führte. Die Mär von nur billig Studieren wollenden ausländischen Studierenden, die von Ministerin Bauer vertreten wird, ist eine völlige Verdrehung der Tatsachen wider besseren Wissens.
(https://www.bmbf.de/…/auslaendische-studierende-ein-gewinn-…)

Aber die eingeführten Gebühren sind nicht nur wirtschaftlicher Unsinn, sondern befeuern vor allem eine nationalistische und ausländerfeindliche
Debatte, die Bildung eben doch nicht allen Menschen zugestehen will. So betreiben die Grünen eine Politik, die im Baden-Württembergischen
Landtag von der AfD bejubelt werden wird. ABS und BAS verurteilen dies und fordern frei zugängliche Bildung ohne Gebühren, unabhängig vom
sozialen oder ausländerrechtlichen Status.

#bauerntaxe
#studiengebührenneindanke

Abschottung: Grüne Ministerin will Gebühren für ausländische Studierende

Am 18. Oktober will die Baden-Württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer im schwarz-grünen Kabinett Studiengebühren für ausländische Studierende beschließen. Trotz einer Milliarde Euro Haushaltsüberschuss riskiert sie internationale Abschottung und soziale Ausgrenzung. Der Bundesverband Ausländischer Studierender (BAS) und das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS) fordern die sofortige Rücknahme der in ihren Augen rassistischen Vorschläge.

Gebühren von bis zu 2000 Euro pro Semester gefährden alle Bemühungen um Internationalität und Vielfalt seitens der Hochschulen. „Mit Bauers Plänen werden nicht Kompetenzen, sondern schwarze Zahlen, nicht besonders kluge, sondern besonders reiche Köpfe gefördert“, ärgert sich Kurt Stiegler, Koordinator des ABS. Die Ministerin forciert die Einführung in einem Hauruck-Verfahren und das noch vor Klärung der Rechtmäßigkeit: Erst am 25. Oktober entscheidet das Verwaltungsgericht Leipzig über einen Präzedenzfall aus Sachsen. Mit der Ausgrenzung ausländischer Studierenden nicht genug, Bauer will auch Zweitstudiengebühren für alle anderen einführen.

In einem Bundesland mit rund einer Milliarde Euro Haushaltsüberschuss wirkt die SparzwangBegründung der Ministerin grotesk und unglaubwürdig: Auf ihrer Homepage klagt sie, „dieses Jahr 48 Millionen Euro“ einsparen zu „müssen“. Das „müssen“ ist für Stiegler „schlicht und ergreifend eine Lüge“, der Sparzwang sei „selbst auferlegt und ideologisch motiviert: Diese Privatisierungspolitik zwingt Menschen zunehmend in die Eigenverantwortung und entlässt die Gesellschaft aus der Pflicht“. Davon abgesehen stellten Studiengebühren eine der schäbigsten Arten dar, zu sparen: Es werde von den rechtlich und finanziell Schwächsten das wenige genommen, was sie haben. Bei Deals mit der Atom- und Rüstungsindustrie werde indes keineswegs gespart.

Dabei zahlen ausländische Studierende bereits jetzt teilweise rechtswidrige Gebühren, noch bevor sie das Studium überhaupt aufnehmen dürfen, etwa für die Prüfung ihrer Unterlagen durch den privaten Träger uni-assist oder auch für jahrelange Sprachkurse und -tests (TestAS, TestDaF oder DSH). Selbst ohne zusätzliche Kosten haben Studierende besonders aus dem Globalen Süden allein dadurch einen Nachteil, dass die Einkommensverhältnisse in fast allen Herkunftsländern schlechter sind als in Deutschland. Das heißt, sie und ihre Familien haben in der Regel deutlich weniger Geld als die meisten deutschen Studierenden und somit ohnehin geringere Chancen, ein Studium aufnehmen und beenden zu können.

„Zynisch, überheblich und eurozentrisch“ findet es Maurice Mwizerwa, Referent für Geflüchtete im Vorstand des BAS, wenn ausgerechnet eine grüne Politikerin sagt: „Klar ist: Diejenigen, die nur zu uns kommen, weil es in Deutschland billig ist, die werden wir verlieren“. Diese Aussage gegenüber Menschen aus Ländern, die unter anderem aufgrund deutscher und europäischer (Wirtschafts- und Agrar-) Politik in Armut und Abhängigkeit gezwungen werden, ist entschieden als rassistisch zu kritisieren. Von einer „Entwicklungszusammenarbeit“, die die Ausbildung zukünftiger Führungskräfte für den Globalen Süden beinhaltet oder gar dem Abbau des Nord-Süd-Gefälles dient, haben sich die Ministerin und ihre Partei offenbar sowieso längst verabschiedet.

Der BAS und das ABS fordern deshalb die sofortige Rücknahme der Vorschläge und die Abschaffung aller benachteiligenden Maßnahmen für ausländische Studierende. Auch Angebote wie Stipendien, die nur einem kleinen Teil dieser Studierenden zur Verfügung gestellt würden, die Diskriminierung aller aber nicht aufheben, erwiesen sich bislang meist als leere Versprechen und werden abgelehnt. Im diesem Sinne unterstützen BAS und ABS ausdrücklich die erste Klage der Studentin gegen Gebühren für ausländische Studierende am 25. Oktober in Leipzig. Je nach Ausgang des Prozesses, wird hoffentlich wenigstens die Rechtsprechung Bauer in ihrem ideologisch motivierten Durchmarsch stoppen.

Kontakt:

Bundesverband ausländischer Studierender e.V. (BAS) c/o Studierendenexekutive der Universität Ulm Albert-Einstein-Allee 5 89081 Ulm Email: presse[at]bas-ev.de

Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS) Kurt Stiegler (Koordinator) Wöhlertstraße 19 10115 Berlin Email: presse[at]abs-bund.de Telefon: 0178-1360870

uni-assist schröpft ausländische Studierende

Knapp 6 Millionen Euro nahm der „Dienstleister“ uni-assist laut Berechnungen* des Bundesverbands  ausländischer Studierender (BAS) durch Bewerbungen von ausländischen Studierenden an deutschen Universitäten und Hochschulen allein zum Wintersemester 2016/17 ein.

„Da die Auslagerung der von den Hochschulen zu erbringenden Hoheitsaufgaben – Prüfung von Dokumenten für die Zulassung – zumindest in einigen Bundesländern gesetzwidrig scheint, die zuständigen Ministerien aber nicht einschreiten, bleibt den Studierenden nichts anderes übrig, als die Gebühren zu zahlen, auch wenn diese als diskriminierend empfunden werden“, so Maimouna Ouattara, Sprecherin des BAS. Ausländische Studierende seien in diesem Lebensabschnitt vor allem auf Zugang zu einer Hochschule fixiert. Beschwerden im Ausland bei unbekannten Rechtssystem ohne Kenntnisse über mögliche Konsequenzen und weitgehend ohne soziale Netzwerke lasse die meisten Studieninteressierten den Vorgang ohne rechtliche Schritte erdulden. „Hier wird die Lage der ausländischen Studierenden von Hochschulen, Universitäten und Ministerien ausgenutzt, indem sie gar nicht so genau wissen wollen, dass das Verfahren vermutlich illegitim ist – oder dies sogar wissen und trotzdem nicht ändern. So können Kosten, die die öffentliche Hand hat, einfach über die Hintertür auf ausländische Studierende übertragen werden,“ so Mehman Rzaev, Referent für Hochschulpolitik des BAS.

Hintergrund:

Laut eigenen Angaben hat uni-assist zum Wintersemester 2016/17 61.361 Erstbewerbungen und 82.212 Mehrfachbewerbungen bearbeitet. Bearbeitungen werden nur vorgenommen, wenn die Gebühr bezahlt wurde. Für ausländische Studierende werden für eine Erstbewerbung 75 Euro fällig, jede zusätzliche Bewerbung kostet 15 Euro. Für Geflüchtete übernimmt der DAAD (mit Mitteln des Bundes) die Kosten von uni-assist, allerdings nur nach zusätzlicher Diskriminierung dieser Zielgruppe, dass entweder ein zusätzlicher Studienkompetenztest oder eine Beratung an einer Hochschule stattgefunden habe. Selbstzahlende brauchen diese Nachweise nicht. Bewerbungen direkt an Hochschulen, die nicht Mitglied von uni-assist sind, sind häufig kostenfrei oder zumindest wesentlich günstiger. Deutsche dürfen nicht mit einer zusätzlichen Gebühr belastet werden, selbst wenn ausländische Unterlagen zu prüfen sind und eingereicht werden.

Uni-(R)assist: Hochschulen müssen illegales Outsourcing stoppen

Das Online-Portal uni-assist steht wegen der Diskriminierung ausländischer Studienbewerbungen erneut in der Kritik. Im Auftrag von 180 Hochschulen – Tendenz steigend – prüft diese Sammelstelle Bewerbungen und erhebt dafür ein Entgelt von nicht-europäische Studieninteressierten, während der Service für Europäer kostenfrei ist. Dieses strukturell rassistische Verfahren hat zum Ziel, die Kosten von der eigentlich dafür verantwortlichen öffentlichen Hand auf die einzelnen jungen Menschen zu verlagern.

Neuerdings bestehen aber juristische Zweifel darüber, ob die Hochschulen als Körperschaften des öffentlichen Rechts ihre formale Zuständigkeit für den hoheitlichen Akt der der Zulassung und Einschreibung überhaupt an einen privaten Verein übertragen darf – auch wenn dieser eine eigene Ausgründung ist. Weiterlesen

Investition in Köpfe

Der Bundesverband ausländischer Studierender (BAS) fordert angesichts der hohen Haushaltsüberschüsse eine flächendeckende, dauerhafte Finanzierung Integrationsmaßnahmen an den Hochschulen, zur besseren Ausbildung und Gewinnung von Studierenden mit Migrationshintergrund, ausländischen Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Diese bestmöglich auszubilden, für Deutschland und Europa zu begeistern sei eine Investition in die Zukunft, die sich in Zeiten des demographischen Wandels besonders lohne.

„Viele gute Projekte sind in den letzten Jahren angeschoben worden“, so Maimouna Ouattara, Sprecherin des BAS, Weiterlesen

Maimouna Ouattara neue Sprecherin des BAS

Mitgliedsversammlung tauscht sich über aktuelle Situation des Ausländer*innenstudiums aus und wählt neuen Vorstand

Auf der Mitgliedsversammlung des Bundesverbands ausländischer Studierender (BAS) trafen sich gestern und heute die Vertreter*innen der Studierendenschaften zum Austausch über die aktuelle Situation beim Ausländer*innenstudium und zum Planen zukünftiger Arbeit. Der Zugang Geflüchteter zum Studium, die Integration Studierender aus englischsprachigen Studiengängen, sowie die soziale Situation dausländischer Studierender sind zentrale Themen des nächsten Jahres.

Dem Thema „Career und Jobsuche ausländischer Studierender nach dem Studium“ widmeten sich die Delegierten in einem Workshop, der aufzeigte, wie viele Hindernisse für ausländische Studierende noch trotz Fachkräftemangels existieren. In das Thema führte ein Vertreter des Projekts „WelKMU – Hochqualifizierte Migrantinnen und Migranten für kleine und mittlere Unternehmen“ ein, dass der BAS aus studentischer Perspektive begleitet.

Johannes Glembek, Maurice Mwizerwa, Mehman Rzaev, Florian Pranghe und Younouss Wadjinny.

v.l.n.r.: Johannes Glembek, Maurice Mwizerwa, Mehman Rzaev, Florian Pranghe, Maimouna Ouattara und Younouss Wadjinny

Maimouna Ouattara wurde einstimmig auf den höchsten Posten des Verbandes zur Sprecherin gewählt. Florian Pranghe wurde als Finanzreferent bestätigt. Organisationsreferent wurde Andrés Muñoz Amador (TU Braunschweig). Ebenfalls wiedergewählt wurde Jan Rick als Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Referent für Hochschulpolitik wurde Mehman Rzaev (Universität Leipzig). Um die Situation Geflüchteter sichtbar zu einem zentralen Thema zu machen, wurde Maurice Mwizerwa (Uni Oldenburg) zum Referenten des neuen Referats für Geflüchtete gewählt. Referent für Integration, kulturellen Austausch und Antidiskriminierungsarbeit wurde Wadjinny Younouss, der auch bereits dem letzten Vorstand angehörte. Johannes Glembek ist Geschäftsführer des BAS.

Start der bundesweiten Kampagne festival contre le racisme

In über 20 Hochschulstädten in Deutschland findet in diesem Sommer erneut das festival contre le racisme statt. Seit 13 Jahren findet die gemeinsame Kampagne vom freien zusammenschluss von student*innenschaften (fzs) und dem Bund ausländischer Studierender (BAS) statt. An den Hochschulen vor Ort finden Veranstaltungen verschiedenster Arten statt. Weiterlesen