Der Bundesverband ausländischer Studierender (BAS) kritisiert die geplante Einstellung des Programms „Garantiefonds Hochschule“ zum Ende des Jahres 2026 scharf. Während Sozialleistungen und Teilhabemöglichkeiten an vielen Stellen abgebaut werden, droht nun nahezu unbemerkt das Ende eines der wichtigsten Programme für den Hochschulzugang junger Zugewanderter.

„Es fällt inzwischen schwer, bei den zahlreichen Rückschritten im Bildungs- und Sozialbereich überhaupt noch den Überblick zu behalten – geschweige denn gegen jeden einzelnen Einschnitt wirksam zu protestieren. Umso besorgniserregender ist es, dass mit der geplanten Streichung des Garantiefonds Hochschule erneut ein zentraler Baustein für Chancengleichheit verschwinden soll“, erklärt Stanislaw Bondarew, Sprecher des BAS.

Der Garantiefonds Hochschule bietet jungen Zugewanderten eine spezialisierte Beratung auf dem Weg an deutsche Hochschulen – eine Unterstützung, die von Ländern und Hochschulen selbst nur in Ausnahmefällen angeboten wird. Angesichts chronisch unterfinanzierter Hochschulen, weiterer Kürzungen und zusätzlicher Zugangshürden ist nicht zu erwarten, dass diese wichtige Aufgabe künftig anderweitig übernommen wird.

Darüber hinaus ermöglicht der Garantiefonds eine der wenigen Möglichkeiten, Deutschkenntnisse auf Hochschulzugangsniveau zu erwerben. Schon heute reichen die vorhandenen Plätze bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Dadurch bleibt das Potenzial vieler motivierter Studieninteressierter ungenutzt – zum Schaden der Betroffenen ebenso wie der gesamten Gesellschaft.

Die Folgen der geplanten Streichung sind absehbar: Insbesondere finanziell benachteiligte Zugewanderte werden künftig noch schlechtere Bildungschancen haben. „Für viele wird der Zugang zu Hochschulen faktisch versperrt. Damit werden Fähigkeiten, Talente und Qualifikationen, die Deutschland dringend benötigt, nicht gefördert, sondern systematisch verschwendet.“, warnt Fabian de Planque, Vorstandsmitglied des BAS.

Diese Politik steht in eklatantem Widerspruch zu den regelmäßigen Forderungen der Bundesregierung nach mehr Integration und gesellschaftlicher Teilhabe von Geflüchteten und Migrantinnen. Wer von Zugewanderten verlangt, sich einzubringen, muss ihnen auch den Zugang zu Bildung und Qualifizierung ermöglichen. Stattdessen werden sowohl der Hochschulzugang als auch an anderer Stelle die Möglichkeiten zur Aufnahme qualifizierter Beschäftigung zunehmend erschwert. Dies drängt viele Menschen in prekäre Arbeitsverhältnisse und erhöht langfristig das Risiko von Armut und sozialer Ausgrenzung. Die dadurch entstehenden sozialen Probleme werden anschließend nicht selten gegen Migrantinnen selbst instrumentalisiert und liefern rechtsextremen Populist*innen neue Angriffspunkte.

Der BAS warnt deshalb vor einer rückwärtsgewandten Politik, die nicht nur Zugewanderten schadet, sondern auch dem Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland. Bildung gilt seit Jahrzehnten als wichtigste Ressource eines rohstoffarmen Landes. Dennoch schränkt die Bundesregierung ausgerechnet den Zugang zu dieser Ressource für einen Teil der Bevölkerung immer weiter ein.
Der Bundesverband ausländischer Studierender fordert stattdessen einen entschlossenen Ausbau der Bildungschancen für internationale und zugewanderte Studieninteressierte. Dazu gehören:

  • der Erhalt und Ausbau des Garantiefonds Hochschule,
  • kostenlose Deutschsprachkurse auf Hochschulzugangsniveau für alle Personen mit einer Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland oder einer Zulassung zu einem Studiengang an einer deutschen Hochschule – unabhängig davon, ob sie sich bereits in Deutschland oder noch im Ausland befinden,
  • eine BAföG-Förderung für Teilnehmer*innen dieser Sprachkurse, damit sie sich vollständig auf den Spracherwerb und den schnellen Studienbeginn konzentrieren können,
  • sowie die Rücknahme der geplanten Kürzungen und bildungsfeindlichen Maßnahmen.

Der BAS ruft dazu auf, die Petition zum Erhalt des Garantiefonds Hochschule zu unterstützen und sich gegen den weiteren Abbau von Bildungschancen einzusetzen.