Bundesverband ausländischer Studierender kritisiert Einführung von Studiengebühren für internationale Studierende an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Der Bundesverband ausländischer Studierender (BAS) kritisiert die Entscheidung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), künftig von internationalen Studierenden aus Drittstaaten Studiengebühren zu erheben. Nach Auffassung des BAS handelt es sich um einen bildungs- und integrationspolitischen Irrweg, der die Internationalisierung deutscher Hochschulen schwächt und die falschen Personen für strukturelle Finanzierungsprobleme verantwortlich macht.

„Wer internationale Studierende als zukünftige Fachkräfte gewinnen möchte, darf ihnen nicht gleichzeitig den Zugang zum Studium erschweren. Studiengebühren sind und bleiben eine finanzielle Zugangshürde. Sie diskriminieren Studierende aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit und senden international ein fatales Signal“, erklärt Stanislaw Bondarew, Sprecher des BAS. Die FAU begründet die Einführung der Gebühren mit der angespannten Haushaltslage und dem Ziel, die Qualität von Studium und Lehre zu sichern. Der BAS hält diese Begründung für nachvollziehbar – die Schlussfolgerung jedoch für falsch.

„Die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen ist eine politische Verantwortung von Bund und Ländern. Wer diese Finanzierungslücke auf internationale Studierende abwälzt, löst kein Problem, sondern schafft neue.“ ergänzt Fabian de Planque, BAS Vorstandsmitglied. Der BAS weist seit Jahren darauf hin, dass internationale Studierende bereits heute erheblichen finanziellen Belastungen ausgesetzt sind. Neben steigenden Lebenshaltungskosten müssen sie hohe finanzielle Nachweise für ihren Aufenthalt erbringen und verfügen nur über eingeschränkte soziale Absicherung. Zusätzliche Studiengebühren treffen daher gerade diejenigen besonders hart, die Deutschland als Studien- und Wissenschaftsstandort dringend gewinnen möchte.

Die Erfahrungen aus Baden-Württemberg bestätigen nach Auffassung des BAS die negativen Auswirkungen solcher Gebühren. Seit ihrer Einführung im Jahr 2017 gingen die Zahlen internationaler Studierender dort entgegen dem Bundestrend zurück. Statt den Hochschulstandort zu stärken, hätten die Gebühren Deutschland im internationalen Wettbewerb geschwächt. Besonders widersprüchlich erscheint die Entscheidung vor dem Hintergrund des allgegenwärtigen Fachkräftemangels. Bund, Länder und Wirtschaft werben weltweit um junge Talente. Gleichzeitig werden neue finanzielle Hürden aufgebaut, die qualifizierte Studieninteressierte von einem Studium in Deutschland abhalten können.

„Deutschland braucht mehr internationale Studierende – nicht weniger. Wer den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort stärken will, muss Barrieren abbauen statt neue zu errichten.“ so BAS Vorstandsmitglied Aiym Jandybayeva.

Der BAS fordert die Bayerische Staatsregierung und die Hochschulen auf, auf die Einführung selektiver Studiengebühren zu verzichten und stattdessen eine verlässliche öffentliche Finanzierung der Hochschulen sicherzustellen. Bildung ist ein öffentliches Gut. Ihre Finanzierung darf nicht von der Staatsangehörigkeit der Studierenden abhängen. Der Bundesverband wird die Einführung weiterer Studiengebühren für internationale Studierende bundesweit kritisch begleiten und sich weiterhin gemeinsam mit Studierendenvertretungen und Bündnispartnern für deren Abschaffung einsetzen.