Studium für Geflüchtete in der Praxis ermöglichen

Bundesverband ausländischer Studierender beschließt Forderungskatalog

„Der Wille zur Hilfe ist nahezu überall gegeben, doch es fehlt an Strukturen, Geld und Know-How“, fasst Pierre Vicky Sonkeng, Sprecher des Bundesverbands ausländischer Studierender (BAS) zusammen, dabei sei es wichtig, dass Geflüchtete auch über ein Studium schnell integriert würden. „Ankündigungen müssen nun zeitnah umgesetzt und die Hochschulen in die Lage versetzt werden, Geflüchtete auf ein Studium vorzubereiten und sie erfolgreich in und durch das Studium zu bringen“.

„Wir haben Äußerungen, die offensichtlich von Unkenntnis geprägt sind – wie beispielsweise die Bundesministerin, die uni-assist als Beratungsstelle für Bewerber*innen bezeichnet, und die mit vorgeschlagenen Maßnahmen nicht auf Höhe der integrationspolitischen Erkenntnisse argumentiert. Es müssen aber schnell Strukturen geändert und aufgebaut werden, damit Geflüchtete nicht nur theoretisch oder als Gäste an deutschen Hochschulen auftauchen, sondern auch in der Realität schnellstmöglich und effektiv zu regulären Studierenden werden. Nur so können Sie sich vernünftig weiter qualifizieren und Potentiale werden nicht verschenkt – gleich, ob sie später in Deutschland verbleiben oder beim Aufbau ihrer Heimatländer bei späterer Rückkehr helfen“, so Maimouna Ouattara, Mitglied des Vorstands des BAS. „Wir dürfen hier nicht hinter die Erkenntnisse der letzten Jahre zurückfallen und auf überholte Modelle bauen, sondern müssen Integration in Wissenschaft und Gesellschaft vorantreiben. Dazu hat der BAS zehn Ziele beschlossen, auf deren Umsetzung wir Politik und Hochschulen hinweisen werden“.

Der Forderungskatalog:

1) Festlegung der Integration von Geflüchteten (Studierenden und Wissenschaftler*innen) und Sensibilierung der Hochschulangehörigen und Gesellschaft in Fragen von Flucht als Aufgabe der Hochschulen

2) Kostenlose Sprachkurse an den Hochschulen für Geflüchtete auf allen Sprachniveaus bis zum Erreichen der Hochschulzugangsbedingungen

3) Flächendeckende Benennung von Ansprechpartner*innen für Geflüchtete an den Hochschulen und Ausbildung dieser in Fragen zum Studium von Geflüchteten

4) Abschaffung des Finanzierungsnachweises für alle ausländischen Studierenden (auch und gerade für Studierende aus Krisengebieten, die zum Studium nach Deutschland kommen möchten)

5) Liberalisierung des BAföG (auch über die geplanten Änderungen hinaus, Geflüchtete dürfen nicht durch viele Ausnahmesituationen aufgrund ihren anderen Lebensbiographien aufgrund zahlreicher Ausnahmen aus dem System der Studienfinanzierung herausfallen)

6) Sicherung des aufenthaltsrechtlichen Status für Studierende (wie auch für Auszubildende) während der Zeit des Studiums und nach dem Studium bis zur Arbeitsaufnahme (mindestens äquivalent zum normalen Aufenthaltsrecht für Studierende aus Drittstaaten)

7) Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum in den Hochschulstädten (für Geflüchteten, aber nicht in Konkurrenz zu anderen finanziell Schwachen!)

8) Schaffung von Kompetenzfeststellungszentren zur Zertifizierung von im Ausland erworbenen Fähigkeiten

9) Förderung von Aufklärungskampagnen in Flüchtlingsunterkünften zum Thema „Asyl und Studium“

10) Traumabehandlungsmöglichkeiten für alle studierenden Geflüchteten, unabhängig vom Krankenkassenstatus und Stand im Asylverfahren

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