Rassismus, Rechtsradikalismus und Diskriminierung an den Hochschulen bekämpfen

Aufruf an alle Studierendenschaften und Hochschulen: Rassismus, Rechtsradikalismus und Diskriminierung bekämpfen
Die Ereignisse (nicht nur) in Chemnitz ließen aufhorchen, was Vielen bislang anscheinend wenig bekannt war: Rassismus und Menschenfeindlichkeit sind in Deutschland alltäglich und weit verbreitet. Die schrecklichen Ereignisse sollten für die Hochschulen und ihre Mitglieder Anlass sein, sich mit der Frage von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Rechtsradikalismus und rechtsextremen Tendenzen ehrlich und offen auseinanderzusetzen und diese konsequent und nachhaltig zu bekämpfen.
Erschreckend war auch die Reaktion einiger Hochschulen: Statt den realen Rassismus zu erkennen und Diskriminierungserfahrungen vieler Hochschulangehöriger anzuerkennen, wurde beschwichtigt, was einem „unter den Teppich kehren“ gleich kommt. Auch noch so viele Labels als „Weltoffene Hochschulen“, Marketingbeteuerungen sowie Hochglanzbroschüren über Internationalität und Weltoffenheit machen die Diskriminierungserfahrungen ausländischer Hochschulangehöriger nicht ungeschehen. Sie können die Angriffe auf ausländische Studierende nicht leugnen, ebenso wie Rassismus, Diskriminierung und rechtsextreme Auffassungen an den Hochschulen. Dass leitende Personen von den Diskriminierungen häufig nicht viel mitbekommen (wollen), verwundert weder noch hilft es den Betroffenen. Die Probleme existieren.

Es geht nicht darum, das Ansehen von Hochschulen und Universitäten zu beschädigen oder alles schlecht zu reden.
An den Hochschulen und Universitäten sowie von hochschulnahen Organisationen wurde und wird viel getan für ausländische Studierende und Wissenschaftler*innen sowie eine Internationalisierung, für eine neue Willkommenskultur und die Integration ausländischer und Studierender mit Migrationserfahrungen. Die Hochschulen und Studierendenschaften haben sehr viel geleistet bei der Integration Geflüchteter und leisten dies auch weiter. Sehr viele Hochschulangehörige sind dabei auch weit über ihre reguläre Arbeit aktiv. Viele Studierende verausgaben sich als Ehrenamtliche mit und über den Bezug zum Studium hinaus. Dies sind Vorbilder und Leuchttürme! Einige Hochschulen haben auch strukturelle Maßnahmen gegen Rassismus und Diskriminierung ergriffen.

Aber es gibt noch keine bundesweite hochschulübergreifende und auch hochschulinterne offene und ehrliche Auseinandersetzung mit den rechtsradikalen Tendenzen an den Hochschulen, Rassismus und Diskriminierung im und außerhalb des Hörsaals. Die Reflexe nach Chemnitz waren so wie der Umgang Sachsens in den vergangenen Jahrzehnten: Problem leugnen und kleinreden. Äußerungen wie die der Sächsischen Wissenschaftsministerin und verschiedener Hochschulleitungen, dass es keine Probleme für ausländischer Studierende gäbe, diese nicht angegriffen würden und sich in Sicherheit bewegen könnten , leugnen die Wirklichkeit und sollen die rosarote „Marketing-Scheinwelt“ aufrechterhalten.
Hochschulen und Hochschulleitung kehren oftmals unliebsame Angelegenheiten unter den Tisch und gehen nicht konsequent gegen Rassismus und Diskriminierung sowie rechtsradikale Auffassungen und Tendenzen vor. Dies vor allem, wenn es um das „Ansehen“ der Hochschule oder Kolleg*innen geht, die rechtsextreme Meinungen äußern und vertreten. Beschwichtigung und Verweise auf Freiheit von Forschung und Lehre sind oft Ausreden um einer mit tiefgehenden mit Konsequenzen verbundenen Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen.
„Köthen ist bunt“ heißt es, aber ausländische Studierende sollen sich vorsehen. Die Warnung an ausländische Studierende bei Demonstrationen Rechtsradikaler lieber nicht in die Stadt zu gehen schützt natürlich die Studierenden, widerspricht aber dem „kunterbunten“ Bild. Auch widerspricht ein Institutsdirektor, der es für natürlich hält, „sich zu wehren, wenn die eigene Kultur untergeht“ und meint, „Die ‚Angst des weißen Mannes‘ sollte wehrhaft werden!“ einer weltoffenen und internationalen Hochschule, die beispielsweise in Leipzig beflaggt wird. Dies sind leider keine bedauerlichen Einzelfälle!

Die Hochschulen haben für sich eine Verantwortung, spielen aber auch für die Entwicklung in der Gesellschaft eine besonders wichtige Rolle. Dieser gilt es nachzukommen – wann, wenn nicht jetzt? Offene und ehrliche Diskurse an den Hochschulen und mit den Hochschulen über Rassismus, rechtsradikale Tendenzen und Gedanken an den Hochschulen und in der Gesellschaft sind notwendig. Dies muss alle Hochschulangehörigen umfassen. Dass die Hochschulleitungen die Richtungen „für Weltoffenheit und Internationalität“ vorgeben, ist begrüßenswert, aber dass diese Haltung auch verinnerlicht wird, dafür muss im Diskurs mit allen Hochschulangehörigen verstärkt geworben und es müssen Maßnahmen bei gegenläufigen Tendenzen ergriffen werden. Diese Haltung darf nicht zum Lippenbekenntnis verkommen.

Der Bundesverband ausländischer Studierender (BAS) lädt alle demokratischen und antifaschistischen Menschen, Einrichtungen und Gruppen zu einer gemeinsamen Initiative gegen Rassismus, Diskriminierung und Rechtsradikalismus an den Hochschulen ein, die über Label und Marketing hinausgeht.

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