Farbe bekennen und Integration fördern: Voraussetzungen für den Hochschulzugang für Geflüchtete schaffen

„Immer noch dominieren Hürden, es gibt viele rechtliche Unklarheiten, Abstimmungsprobleme und Hindernisse und zu wenig Personal an den Hochschulen, die Geflüchtete beraten, orientieren und unterstützen können.“ Zu diesem niederschmetterten Resümee kommt Pierre Vicky Sonkeng, Sprecher des Bundesverbands ausländischer Studierender (BAS). „Hier wurden bisher viele Chancen verpasst und notwendige Schritte nicht eingeleitet, um sich auf die Studienaufnahme Geflüchteter ausreichend vorzubereiten“, so Sonkeng weiter. Der BAS fordert die Öffnung der Hochschulen, den Abbau von Bürokratie und diskriminierenden Regelungen und eine angemessene, zeitlich ausreichende und nachhaltige Ausstattung der Hochschulen.

Viele Regelungen schränkten die Möglichkeiten Geflüchteter ein, erläutert Sonkeng. „So werden im Beschluss der Kultusministerkonferenz vom Dezember Hürden für Geflüchtete ohne Dokumente aufgebaut, die es zuvor nicht gab – der Zugang wird insgesamt restriktiver gehandhabt. Bei Bewerbungen über uni-assist werden zusätzliche Beratungen oder Studierfähigkeitstests nötig – obwohl häufig fast keine oder viel zu wenig Mittel für zusätzliche notwendige Beratungen an den Hochschulen bereitgestellt werden. Dafür werden studieninteressierte Geflüchtete im Behördenjungle mit immer neuen, noch komplizierteren Verfahren drangsaliert“. Auch aufenthaltsrechtliche Hindernisse, wir etwas die Wohnsitzauflage werden für Studieninteressierte nicht abgeschafft, damit sie ein Studium am Ort ihrer Hochschule aufnehmen können. Im Gegenteil, es wird stets von Verschärfungen gesprochen.

„Statt das Geld in solche bürokratischen Maßnahmen zu stecken, sollten Mittel vielmehr zum Großteil den Hochschulen zufließen, die die Beratung und auch die Studienausbildung und den Studienerfolg der Geflüchteten ermöglichen. Die Hochschulen werden seitens des Bundes nur mit kurzfristigen Miniprogrammen abgespeist – mit denen sie keine verlässlichen Programme aufbauen können. In den Ländern sieht die Situation sehr unterschiedliche aus. Die Geflüchteten können so den Zugang zum Studium kaum planen“, so Maimouna Ouattara, Vorstandsmitglied des BAS. „Mit Mitteln für die Hochschulen sollten die derzeit notwendigen Sprachkurse und studienvorbereitenden Maßnahmen eingerichtet und dauerhaft für die nächsten Jahre angeboten werden. Außerdem müssen die Hochschulen eine Studienberatung und die Prüfung des Hochschulzugangs zuverlässig übernehmen.“

Gute Studienberatung und Einstiegsmaßnahmen erhöhen den Studienerfolg nachweislich – die Gesellschaft investiert so in Zufriedenheit, besser integrierte Bürgerinnen und Bürger und nachhaltig gute Beziehungen zu den Herkunftsländern, die sich nachweislich nicht nur politisch, menschlich, sondern auch ökonomisch bezahlt macht: für die Aufnahmegesellschaft wie auch die betroffenen Individuen.

„Hinzu kommt ein grundlegendes Problem: Vielerorts werden Hochschulen über Mittelzuwendungen der Länder für Studienerfolge belohnt, bzw. für Schwund- und Abbruchsquoten bestraft. Die Hochschulen befürchten, dass wenn sie Maßnahmen für Geflüchtete einrichten, diese trotzdem erhöhte Schwundquoten aufweisen könnten. Ausländische Studierende haben durchschnittlich aufgrund der größeren Herausforderungen durchschnittlich schlechteren Studienerfolg als deutsche. Selbst die erfolgreichsten Studierenden -sind sie geflüchtet- könnten durch aufenthaltsrechtliche Schritte aus dem Studium gerissen werden. Folglich werden vermehrt Programme aufgelegt, die praktisch kaum zum Studium führen oder nur wenige Geflüchtete mit guten Bleibe- und Erfolgsaussichten zulassen und somit einen Großteil der Studierenden nicht erreichen. Hier steht die betriebswirtschaftliche Führung der Hochschulen dem Gemeinwohl entgegen, das am meisten profitiert, wenn möglichst viele Geflüchtete einen qualitativ hochwertigen Studienabschluss machen. Doch dazu müssen sie zunächst den Zugang zum Studium erlangen können“, so Jan Rick, ebenfalls Vorstandsmitglied des BAS.

Der Bundesverband befürchtet, dass so bei wesentlich mehr Studierwilligen als notwendig die Integration über den erstrebenswerten Weg Studium scheitert. Bund und Länder seien gefordert die derzeit nicht ausreichend ausgestatteten Hochschulen zu befähigen die Herausforderungen meistern zu können und den Geflüchteten, die in Deutschland sicher noch längere Zeit bleiben, eine Perspektive zu geben. Diese substantielle Ausstattung der Hochschulen müsse diese befähigen, die nächsten Jahre planen zu können und unter Beteiligung der Betroffenen und der Studierendenschaften gute Angebote zu Studium und Studieneinstieg zu machen.

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