Bewerbungsdienst uni-assist versagt erneut – trotz hoher Gebühren

In einer Mitteilung an die Hochschulen teilt der Bewerbungsdienstleister „uni-assist“ den Hochschulen mit, dass der eigentlich anvisierte Service erneut nicht eingehalten werden kann.

Obwohl jedes Jahr werden stolz neue Höchstzahlen bei Bewerbungen ausländischer Studierender/Studienbewerber*innen verkündet werden und die Entwicklung absehbar ist, schafft es der spezialisierte Dienstleister für die Hochschulen „uni-assist“ trotz hoher Gebühren für die Bewerbenden nicht, die Abarbeitung abzuleisten. So war uni-assist in der Bewerbungsphase tagelang nicht erreichbar. Anrufer*innen flogen einfach aus der Leitung, statt mit einer Ansage informiert zu werden.

Dieses Jahr sollen nach eigener Auskunft von uni-assist erst zum 12.08. alle Bewerbungen, die mit Frist zum 15.7. eingegangen sind, abgearbeitet worden sein. Das heißt aber nicht, dass diese Bewerber*innen dann eine Zulassung bekamen. Zum 12.8. war geplant die Unterlagen an die Hochschulen auszuliefern, die diese dann noch bearbeiten und die Zugangs- bzw. Zulassungsverfahren durchführen müssen. In den zulassungsbeschränkten Studiengängen müssen die Hochschulen noch Ranglisten bilden, was noch einmal einige Tage dauern kann. Manche Hochschulen müssen bestimmte Unterlagen noch selbst bearbeiten.

Das massive Versagen der Servicestelle uni-assist, bei der sich viele ausländische Studienbewerber*innen bewerben müssen, weil viele Hochschulen dies so festlegen, hat sehr negative Folgen für die Bewerber*innen:

– Wegen der massiv späten Bearbeitung können evtl. Unterlagen oder Zeugnisse nicht mehr nachgereicht werden. Das heißt: die Bewerber*innen, die sich frühzeitig bewarben und bei einer ordentlichen Abarbeitung Unterlagen noch hätten nachreichen können, fallen jetzt aus dem Verfahren heraus. Die nächste Bewerbung kostet natürlich noch einmal die Gebühr, der Studienstart verzögert sich um ein halbes oder ein ganzes Jahr, so dass ausländische Studierende nicht nach Deutschland kommen oder Lebenszeit verlieren.

– Die verspätete Zulassung führt evtl. dazu, dass bei Auslandsvertretungen keine rechtzeitigen Termine mehr für ein Visum zu erhalten sind. Evtl. kann ein Visum zu Semesterstart gar nicht mehr ausgestellt werden. Dies kann ebenfalls bedeuten, dass Bewerber*innen ein weiteres Semester oder Jahr warten muss, um sich dann nochmal über uni-assist zu bewerben.

– Sollten ausländische Studierende bereits in Deutschland sein oder ein Visum rechtzeitig erhalten, stellen sich weitere Probleme, so z.B. eine Wohnung zu finden zu einem sehr späten Zeitpunkt.

Younouss Wadjinny, Referent für Integration und Antidiskriminierung des Bundesverbands ausländischer Studierender dazu: „Das „uni-assist“-System ist gescheitert. Die Verantwortlichen, so u.a. Prof. Dr. Karin Luckey [Vorsitzende von uni-assist, Rektorin der Hochschule Bremen] und Prof. Dr. Joybrato Mukherjee [stellvertr. Vorsitzender, Präsident der Universität Gießen] sollten endlich Konsequenzen ziehen, das Scheitern des „uni-assist“-Systems eingestehen und gemeinsam mit den Betroffenen und den Studierendenvertreter*innen nach einem kostenfreien und im Sinne der Bewerber*innen organisiertem Bewerbungssystem suchen.“

Kurt Stiegler von Aktionsbündnis gegen Studiengebühren: „Trotz der Auslagerung von Hoheitsaufgaben und Einführung hoher Gebühren hat sich das System nicht verbessert, sondern im Gegenteil verschlechtert! Auch schlechte Arbeitsbedingungen von Saisonkräften scheinen zu dem Versagen beizutragen. Auch teure, mit den Gebühren der Bewerber*innen angeschaffte IT-Systeme des Vereins, zusätzlich zur bereits vorhandenen Software und IT-Struktur an den Hochschulen, versagen. Die Vereinsstruktur zeigt: Effiziente, qualifizierte Arbeit ist nicht mit Auslagerung von Aufgaben und Gebühren möglich und ersetzt keine Ausfinanzierung der Hochschulen.“

Hintergrund:

Der Verein „uni-assist e.V.“ ist eine Ausgründung von deutschen Hochschulen, um eine Vorabprüfung ausländischer Dokumente für den Hochschulzugang für die Hochschulen/Universitäten in Deutschland vorzunehmen. Der Verein nimmt keine Beratung ausländischer Studierender vor und darf auch kein Zugangs- bzw. Zulassungsverfahren durchführen, für das weiterhin die Hochschulen verantwortlich sind. Dennoch müssen Bewerber*innen diese „Serviceleistung“ für die Hochschulen mit Gebühren bezahlen. Die Auslagerung staatlicher Aufgaben auf einen Verein ist rechtlich höchst fragwürdig. Trotz regelmäßiger Beschwerden von Betroffenen, Studierendenvertretungen und auch Hochschulen wird der Verein weiter betrieben, da über die Auslagerung der Aufgaben die Hochschulen Gelder für reguläre Beschäftigte einsparen, egal wie schlecht der Verein arbeitet.

3 Gedanken zu „Bewerbungsdienst uni-assist versagt erneut – trotz hoher Gebühren

  1. FreieBildungFürFreieBürger

    Mein Sohn hat sich im Juni für Bachelor Lehramts-Studiengänge an der FU und HU Berlin beworben – als österreichischer Bürger via uni-assist. Die Bewerbungsfrist für diese Studiengänge endeten jeweils am 15.7.17. Am 7.8. (!) wurde er von uni-assist informiert, dass sein Antrag *nicht* an die Unis weitergeleitet wurde. Begründung: „Das von Ihnen eingereichte Reifeprüfungszeugnis ist leider nur auf der 1. Seite der Form nach amtlich beglaubigt. Bitte reichen Sie das vierseitige Dokument inklusive der Stundentafel in der erforderlichen Form nach.“
    Tel. Auskunft von uni-assist: Korrekt beglaubigtes Zeugnis nachreichen und FU und HU Berlin fragen, ob eine Ausnahme bzgl. der Bewerbungsfrist möglich ist => Zweitschrift des Zeugnisses an uni-assist und E-Mails an FU und HU geschickt. Beide Unis haben eine Ausnahmeregelung abgelehnt, im Fall der FU in sehr barschem Tonfall.
    Fazit: Ein österr. Bewerber muss sein Reifeprüfungszeugnis beglaubigen lassen, und zwar tunlichst in der richtigen Form – sonst scheitert er, so wie mein Sohn, an einem „Formfehler“. Zum Vergleich: Die Uni Wien verlangt von EU/EWR-Bürgern *keine* Beglaubigung (siehe http://slw.univie.ac.at/studieren/beglaubigung/).
    Willkommen in der EU mit ihren Freiheiten wie „freier Personenverkehr“ – die Freiheit der Bildung scheint im „EU-Vorzeigeland“ Deutschland schon an der Grenze zum Nachbarland Österreich zu enden.
    Gesamtfazit: „Außer Spesen nix gewesen“: 90 Euro uni-assist-Gebühren, viel Zeit und Nerven investiert – Ergebnis: Null!
    Es ist eine Schande, dass man als EU-Bewerber behandelt wird, wie ein Bürger einer Bananenrepublik => ein Reifeprüfungszeugnis *aus einem EU-Land* wird nur akzeptiert, wenn dieses – fragwürdigen Formvorschriften entsprechend – beglaubigt wurde. Das ist völlig inakzeptabel!
    Österreichische Unis gehen mit ihrem Beglaubigungsverzicht mit gutem Beispiel voraus – das kommt unter anderem deutschen Studienbewerben zugute.

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    1. Admin Beitragsautor

      Vielen Dank für den persönlichen Bericht. Inhaltlich ist das leider erneut ein Beispiel für das Versagen des Vereins uni-assist, wie wir (und unsere Mitgliedsstudierendenschaften) dies leider dauernd zu hören bekommen.[Grundsätzlich ist es aber egal, woher die Personen bekommen, wenn die Fristen wegen solcher Vorgänge (die Universitäten hätten hier auch eine Ausnahme machen können, da die „Beratung“ von uni-assist nicht zeitnah passiert ist; i.d.R. dürfte so etwas, wenn Universitäten dies selbst bearbeiten, wohl kaum zum Ausschluss aus dem Verfahren führen, sondern vermutlich eher mit einer Auflage, die Originaldokumente bei Einschreibung noch einmal vorzulegen) und schleppender Bearbeitung nicht eingehalten werden, ist dies im höchsten Maße ärgerlich].
      Wir fragen uns auch, inwiefern die Gebühr (eingezogen über einen Dienstleister für die Universitäten,/Hochschulen, es ist ja keine Dienstleistung für die Bewerber*innen!) für EU-Bürger*innen nicht gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz (EU-Richtlinie) verstößt, zumal einige Universitäten die EU-Dokumente genau wie deutsche Dokumente (ohne deutlichen Prüfmehraufwand) auch direkt akzeptieren.

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  2. Grille

    Die Vorgehensweise diese Vereins macht auf mich einen unprofessionellen und schlecht organisierten Eindruck:
    – Keine klaren Richtlinien der einzureichenden Unterlagen erkennbar.
    – Ein Master-Abschluss wird nicht als Bachelor-equivalent anerkannt, sondern es wird nur auf den fehlenden Bachelor verwiesen.
    – Die Web-Seiten sind falsch verlinkt.
    – Das Kontakt-Formular nicht auffindbar.
    – Das FAX war nach Büroschluss nicht mehr erreichbar.
    Für den schlechten Service sind die Gebühren eindeutig überzogen.

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